Nachhaltiges Leben in der Stadt

#Soziale Arbeit (BA) #Studierenden-Projekt

Nachhaltiges Leben in der Stadt – Urbane Subsistenz in St. Pölten

In den letzten Jahren hat das Thema „Urbane Subsistenz“ in St. Pölten immer mehr Einzug gehalten. Zahlreiche Projekte, Initiativen und Unternehmen haben sich formiert, um einen Beitrag zu einem nachhaltigeren, uns bewussteren Lebensstil zu leisten. Neben Gemeinschaftsgärten und sogenannten „Pflück-mich-Stationen“ (Stattgarten) gibt es zahlreiche Betriebe, die sich Richtlinien wie „biologisch“ und „regional“ verschrieben haben (z. B. Greißlerei 2.0, gutding). Initiativen wie die Emmaus CityFarm oder Fairwurzelt zeigen, dass eine Beschäftigung im Garten bzw. mit Pflanzen positive Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung haben kann. Treibende Kraft für jene Projekte ist vor allem ein wachsendes ökologisches Bewusstsein sowie der Wunsch nach einer nachhaltigen Nutzung vorhandener Ressourcen. Doch auch soziale und gesellschaftskritische Aspekte stehen bei einer Projektgestaltung im Vordergrund.

Im Rahmen der Projektwerkstatt erhalten die Studierenden einen fundierten Einblick in die St. Pöltner Projekt-Landschaft. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Konzept der urbanen Subsistenz ermöglicht den Studierenden einen facettenreichen theoretischen Zugang zum Feld. Dabei wird unter anderem deutlich, dass Selbstversorgung längst nicht mehr ausschließlich im Sinne des Eigenanbaus verstanden werden kann. Das Konzept schließt beispielsweise auch Selbstversorgung im Kontext von Verteilung vorhandener Lebensmittel mit ein. Die (gemeinschaftliche) Nutzung von öffentlich zugänglichen Grünflächen oder Obst- und Gemüsesorten (kurz: Urban Gardening) ist genauso als Teil urbaner Subsistenz zu verstehen wie die Aneignung von traditionellem Wissen zu Konservierungstechniken oder über sogenannte „alte Sorten“.

Darauf aufbauend wird im Rahmen der Projektwerkstatt ein Projekt entwickelt werden, dessen Schwerpunkt auf einem der Themenspektren urbaner Subsistenz liegt. Die Herausforderung der Studierenden liegt darin, ein Projekt zu entwickeln, das nicht nur eine gute Ergänzung zu vorhandenen Projekten und Initiativen darstellt, sondern auch einen partizipativen und nachhaltigen Charakter aufweist und auf die Bedürfnisse der gewünschten Zielgruppe eingeht. Dabei ist die Findung der Zielgruppe ein Teil des Projektentwicklungsprozesses.

Folgende Darstellungen und Denkansätze können für die Entwicklung einer Projektidee hilfreich sein: Im Bereich der Lebensmittelverteilung geht es neben der Kritik an der sogenannten „Wegwerfgesellschaft“ und der Forderung nach einem nachhaltigen Konsumverhalten auch um die Frage nach einer gerechte(re)n Verteilung vorhandener Lebensmittel und wie eine gesunde und biologische Ernährung für sozial benachteiligte Gruppen „leistbar“ und umsetzbar wird oder wie sich auch wirtschaftlich schwache Gruppen von Abhängigkeiten von großen Lebensmittelkonzernen und Discountern lösen können.

Die Idee, gemeinsam im Garten zu arbeiten oder gemeinsame Ernteaktionen durchzuführen, birgt vor allem viel Potential in der Zusammenführung von Menschen verschiedener Herkunft, unterschiedlichen Alters, Geschlecht oder sozialem Background. Stichworte wie Inklusion, Integration und Empowerment sind nur ein Auszug von Aspekten, die durch Projekte zum Thema Urban Gardening angesprochen und positiv unterstützt werden können.

Nicht zuletzt birgt auch der Bereich der Wissensvermittlung Potentiale, den Selbstwert verschiedener Personengruppen zu fördern und „altes“ oder „fremdes“ Wissen zu erhalten bzw. kennenzulernen und zu verbreiten. Denn traditionelles Wissen über „alte“ Gemüse- und Obstsorten, Heilkräuter oder Konservierungstechniken (z. B.: Einwecken) ist vor allem bei der älteren (weiblichen) Bevölkerungsgruppe vorhanden. Durch die Weitergabe dieses Wissens erfahren diese Menschen eine Aufwertung ihrer Kompetenzen und Fähigkeiten. Gleiches kann beispielsweise auch für Asylwerbende oder geflüchtete Menschen gelten. Die Weitergabe von vorhandenem Wissen über spezielle Verarbeitungstechniken oder Heilkräuter ermöglicht auch einen Austausch von Menschen verschiedener Herkunft und ein Kennenlernen auf gleicher Augenhöhe.