Kinder- und Jugendhilfe & Partizipation in NÖ

#Sozialpädagogik MA (Weiterbildung)

Kinder- und Jugendhilfe & Partizipation in niederösterreichischen Einrichtungen der vollen Erziehung

  • Projektleitung:
    DSA Mag. (FH) Pilgerstorfer Andrea
  • Projektleitung:
    EinE VertreterIn des Landes NÖ Abteilung GS 6
  • Laufzeit:
    01.09.201730.06.2019
  • Projektstatus:
    laufend

Partizipation, Teilhabe oder Beteiligung sind Begriffe, die im Fachdiskurs der Sozialen Arbeit breiten Niederschlag finden und in allen Praxisfeldern im Methodendiskurs sowie in Einrichtungskonzepten angeführt werden. Moderne Soziale Arbeit (Sozialpädagogik, Sozialarbeit und andere Berufsgruppen im Feld) sieht Partizipation mittlerweile als unumstößliches Prinzip der Fachdisziplin.

Dabei wird keineswegs auf ausschließlich neues Wissen referenziert. Janusz Korczak entwickelte in seiner 1912 gegründeten Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe die „Pädagogik der Achtung“. Die Kinder in seinen Waisenhäusern hatten eine Vertretung gegenüber den Erwachsenen, er gründete die ersten Kinderparlamente und setzte sich damit für Kinderrechte in den Unterbringungseinrichtungen ein (vgl. Beiner 2007).

Mit dem von Jane Addams geprägten Begriff der Hilfe als Selbsthilfe (vgl. Stender und Körger 2013), trat verstärkt die Notwendigkeit der Lösungsbeteiligung von Nutzerinnen und Nutzern in das Bewusstsein der Fachkräfte. Der Prozess setzt sich mit laufender Theorie- und Methodenentwicklung (Arlt, Pantucek-Eisenbacher, Thiersch, Münder, Wiesner, Merchel, Wolff, Müller, Peters, Krause u. a.) fort.

Im aktuellen Kinder- und Jugendhilfe Gesetz (KJHG) sowie im NÖ Landesgesetz (NÖKJHG) wird in § 3 Z 5 die „Zusammenarbeit mit der Familie“ gesetzlich festgeschrieben. § 43 Z 2 schreibt vor, dass „in familiäre Verhältnisse möglichst wenig eingegriffen wird“ und § 37 verankert die „Beteiligung der Kinder und der Jugendlichen und der Erziehungsberechtigten“ im Gesetz. Vor diesem Hintergrund befasst sich vorliegendes Forschungsprojekt mit Methoden der Beteiligung und Beteiligungsformen im Kontext der „vollen Erziehung“ § 38 Z 2.

Ausgehend von einer Bestandsaufnahme der angewandten Methoden, wird Partizipation bei einer Unterbringung in einer Wohneinrichtung qualitativ beforscht. Ziel ist, Good-practice-Beispiele aufzuzeigen, Methoden der Partizipation weiter zu entwickeln und deren Implementierung anzuregen oder zu begleiten. Es ist zu erwarten, dass die Ergebnisse den Fachdiskurs fördern und einen Beitrag zu Demokratisierungsprozessen leisten. Außerdem könnten sie zur Bildung eines Bewusstseins über Wirkungsmechanismen von Partizipationsprozessen auf Gruppendynamik und Entwicklung beitragen. Aus Perspektive der Kinder und Jugendhilfe Einrichtungen können die an der Studie beteiligten Einrichtungen die Ergebnisse für Ihren Qualitätssicherungsprozess nutzen.