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Ausnahme oder Anfang einer virtuellen Zukunft?

Virtuelle Hauptversammlung als Phänomen der COVID-19-Pandemie – Studiengang Wirtschafts- und Finanzkommunikation präsentiert Forschungsergebnisse

Alena Klinz, Monika Kovarova Simecek, Lisa Loidl untersuchen Hauptversammlungspraxis im Jahr 2020 und vergleichen deren Verlauf in Österreich und Deutschland
Copyright: FH St. Pölten

Die Hauptversammlungssaison 2020 stellte für börsennotierte Unternehmen eine Herausforderung dar. Es war ein Jahr von Premieren. Für die meisten Kapitalmarktakteure – Unternehmen wie Aktionäre – war es die erste virtuelle Hauptversammlung. Für die meisten ist sie gut gelaufen. Aber eine Frage bleibt noch offen – war es eine Ausnahme oder der Anfang einer neuen, virtuellen Zukunft?   

Monika Kovarova-Simecek, Studiengangsleiterin des Master Studiengangs Wirtschafts- und Finanzkommunikation, hat mit Lisa Loidl und Alena Klinz die Hauptversammlungspraxis im Jahr 2020 genau untersucht und ihren Verlauf in Österreich und Deutschland verglichen.

Die Ergebnisse wurden am 10. September 2021 bei der CARF Konferenz der Hochschule Luzern präsentiert. In dem nun publizierten Konferenzband können die Erkenntnisse aus der Untersuchung nachgelesen werden. Dabei handelt es sich keineswegs um eine reine Bestandsaufnahme. Sie liefern auch wichtige Hinweise dafür, was sich künftig ändern müsste, damit eine virtuelle Hauptversammlung auch über die Pandemie hinaus für Aktionär*innen denkbar wird.

Ohne Hauptversammlung geht es nicht

Die Hauptversammlung ist für börsennotierte Unternehmen das wichtigste Event des Jahres. Sie bietet den Aktionär*innen Raum, mit dem Vorstand in Dialog zu treten und sich aktiv an der Steuerung des Unternehmens zu beteiligen. Dementsprechend wichtig ist die Hauptversammlung für die Shareholder eines Unternehmens. Dabei ist nicht nur essenziell, dass, sondern auch wie sie stattfindet.

Virtuelle Hauptversammlung in Österreich und Deutschland

In einer multimethodischen Studie wurde daher die Umsetzung der Hauptversammlung in 56 österreichischen und 160 deutschen börsennotierten Unternehmen näher beleuchtet. Das Sample umfasste alle im ATX, VÖNIX, DAX, MDAX, SDAX und TexDAX gelisteten Unternehmen. Im Fokus der Untersuchung stand einerseits die Frage, wie viele Unternehmen auf das virtuelle Format umgestiegen sind, anderseits aber auch, welche prozessualen, technischen und rechtlichen Implikationen die virtuelle Hauptversammlung für sie hatte.

Zwischen Deutschland und Österreich zeigen sich dabei signifikante Unterschiede. Deutsche Unternehmen reagierten trotz der strengeren Regulatorik und des vielfach größeren Aktionariats flexibler und schneller. Terminverschiebungen fanden deutlich seltener statt als in Österreich. In beiden Ländern waren aber (neu entstandene) Drittdienstleiter oder bisher nicht in die Organisation einer Hauptversammlung involvierte Abteilungen wie IT oder Marketing eingebunden.

Ist die Zukunft der Hauptversammlung die Vergangenheit?

Auch wenn die Hauptversammlungssaison insgesamt gut verlief, wird es von der Zufriedenheit der Aktionär*innen abhängen, ob sich das virtuelle Format auch künftig durchsetzt. Und hier zeigt sich auf der regulatorischen Ebene noch sehr viel Optimierungspotenzial.

CARF – ein etablierter Ort des wissenschaftlichen Dialogs im DACH-Raum

Die CARF Konferenz, die von der HS Luzern seit 2015 jährlich ausgetragen wird, richtet sich an Forschende, Lehrende und wissenschaftliche Mitarbeitende an deutschsprachigen Hochschulen und Universitäten. Sie widmet sich den Themen Controlling, Accounting & Audit, Risk & Compliance sowie Finanzen. Im Fokus der wissenschaftlichen Tagung stehen anwendungsorientierte Forschung, aber auch didaktische Entwicklungen in den Fachgebieten.

Weitere Quellen:

Kovarova-Simecek, M., Loidl, L. & Klinz, A. (2021). Virtuelle Hauptversammlung als Phänomen der COVID-19-Pandemie – eine vergleichende Analyse der rechtlichen, organisatorischen und technischen Umsetzung in Österreich und Deutschland. In S. Behringer (Hrsg.), CARF Luzern 2021. Schriften aus dem Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZSchriften aus dem Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ (S. 309–326). Gehalten auf der CARF, HS Luzern: Verlag IFZ – Hochschule Luzern. Hier online verfügbar.

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FH-Prof. Mag. Kovarova-Simecek Monika

FH-Prof. Mag. Monika Kovarova-Simecek

Studiengangsleiterin Wirtschafts- und Finanzkommunikation (MA) Stellvertretende Studiengangsleiterin Management und Digital Business (BA) Department Digital Business und Innovation Mitglied des Kollegiums 2020 bis 2023