Interdisziplinäre Medienwelt

Die Welt der Medien macht es vor: Hier existieren Disziplinen, Gattungen und Kanäle nicht nur nebeneinander, sondern werden immer enger verknüpft.  Wird der Buchdruck noch mit der Reformation in Verbindung gebracht, wurde dem Weiterbestehen des Hörfunks gedanklich mit dem Aufkommen des TV ein jähes Ende bereitet. Wie sich herausstellte und schon gar nicht bewahrheitet hat, führen Medien, ob analog oder digital, ein gelungenes paralleles Dasein. Kein Neuaufkommen eines Mediums löste, wie vielfach befürchtet, das andere ab. Interdisziplinäre Schnittstellen sind bei Radio, TV oder in der Kunst keine nennenswerte Besonderheit, sondern erwünschte Realität.

Die Neuverortung der Technik zeigt sich in der derzeit bestimmenden Funktionalitätsannäherung von Radio, Fernsehen und Computer. Medienzweige konvergieren und entlang dieser Wertschöpfungskette entsteht eine perspektivische Vielzahl durch ihre Anwendung in der Praxis.

Nicht mehr weit zur Zukunft

Die Campus Medien der FH St. Pölten wie das Freie- und Ausbildungsradio Campus & City Radio 94.4, das Forschungsfernsehen c-tv, und fhSPACEtv – eine Initiative der Studiengänge Medientechnik und Digitale Medientechnologien – entwickeln unter dem Siegel der Interdisziplinarität völlig neue zukunftsweisende Formate. Selbst im alltäglichen Tun bleibt die Nutzung anderer Medienkanäle oft unverzichtbar: „Sich auf eine Mediengattung zu beschränken reicht für junge Medienschaffende heute nicht mehr aus. Vorbei sind die Zeiten, in denen RadiosprecherInnen sich um nichts als ihren Text kümmern mussten. Heute muss eine RadioredakteurIn den Beitrag auch in einer Onlineversion für die Homepage aufbereiten. Selbst für Social-Media-Kanäle braucht es eine Videoredakteurin, um die Beiträge visuell erlebbar zu machen. Das hat natürlich negative Seiten, weil Jobs für SpezialistInnen vernichtet werden“, so der Kommentar der Programmintendanz des CR94.4, Anna Michalski.

Interdisziplinäres Limit

„Das Medium selbst – ein multidisziplinäres Konglomerat aus Bild, Ton, Bewegung, Sprache, Rhythmus und Zeit – erfordert die bestmögliche Zusammenarbeit von SpezialistInnen der unterschiedlichen Disziplinen“, sagt Markus Wintersberger aus der Sichtweise im Schwerpunkt Experimentelle Medien. Die bestimmenden Grenzen kommen aus den jeweiligen Disziplinen selbst, weswegen Interdisziplinarität „ohne die Bereitschaft, sich auf andere Disziplinen einzulassen, nicht gelingen kann.“

Neue Formate sind auch der digitalen Entwicklung geschuldet. Hier gilt es besonders andere Disziplinen hinzuzuziehen: „In unseren Film- und TV-Laboren arbeiten wir seit Beginn an mit den Herausforderungen der digitalen Bewegtbild-Welt. An der Schnittstelle von Innovationshype, neuen Nutzungsszenarien und der kreativen Anwendung von Technologien samt deren Fortschritt, sind es die forschenden Fragen, die den Weg für neue Lösungen frei machen. Und diese Fragen kommen eben nicht ausschließlich aus jener Disziplin, in der eine Lösung gebraucht wird“, sagt die Leiterin des Ausbildungsfernsehens c-tv, Rosa von Suess.  

Jetzt teilen: