St. Poelten University of Applied Sciences

"Sozialwissenschaften bieten Potential für Praxis"

FH-Prof. Mag. Dr. Sylvia Supper

arlt.dialog #1. Sylvia Supper im Gespräch

Im neuen Format arlt.dialog stellen wir Menschen rund um das Department Soziales vor. Gleichzeitig bringen wir aktuelle Themen aus dem Bereich des Departments zur Sprache.

Den Anfang macht Sylvia Supper. Die Soziologin unterrichtet wissenschaftliche Methoden in den Studien- und Lehrgängen am Department Soziales. Gleichzeitig engagiert sie sich stark in der Weiterentwicklung der Lehre der Sozialen Arbeit und in der Verbesserung des Angebots im Bereich der Weiterbildung für PraktikerInnen. Anlässlich ihrer Ernennung zur FH-Professorin haben wir sie zu den aktuellen Entwicklungen in der Lehre befragt.

Sylvia Supper im Gespräch

Die Ausbildung in der Sozialen Arbeit hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Wo kam es zu den größten Änderungen?

Die Verankerung der Ausbildung zur Sozialen Arbeit an den Hochschulen war ein wesentlicher Schritt zur Professionalisierung der Sozialen Arbeit. Wichtig ist die Vermittlung eines selbstbewussten aber auch kritischen Professionsverständnisses. Was mir auffällt, ist die systematischere und viefältigere Anwendung diagnostischer Verfahren. Beides zeigt sich in den Abschlussprüfungen unserer AbsolventInnen ganz deutlich. Es hat sich in der Fachcommunity ein Grundkonsens entwickelt, dass die Vermittlung sozialarbeitswissenschaftlicher Grundhaltungen und Forschungsmethoden nicht nur aufgrund der Verankerung an der Hochschule wesentlich zur Ausbildung gehört, sondern auch für die Professionalisierung der Disziplin und die Weiterentwicklung der Praxis einen wertvollen Beitrag liefern kann.

Worin bestehen die Vorteile einer Verankerung der der Sozialarbeit und Sozialpädagogik an einer Fachhochschule?

Da ist zunächst die gesellschaftliche Wahrnehmung und Wertschätzung zu nennen. Es erleichtert die Ausübung des Mandats der Sozialen Arbeit, sich als Menschenrechtsprofession gegen soziale Ausschlussmechanismen und für das Recht auf Inklusion aller Gesellschaftsmitglieder einzusetzen.
Für unsere AbsolventInnen bedeutet es auch bessere Anschlussfähigkeit an andere Ausbildungssysteme und breitere berufliche Möglichkeiten. Da die Ausbildung zur Sozialen Arbeit im europäischen Kontext auf Hochschulniveau stattfindet, ermöglicht es die Vernetzung und Teilnahme am sozialarbeitswissenschaftlichen Diskurs und der schon erwähnten Professionalisierung der Disziplin.

Sie sind stark in der Lehre in den Weiterbildungsprogrammen an der FH St. Pölten involviert. Warum ist wissenschaftliches Grundwissen für PraktikerInnen der Sozialen Arbeit wichtig?

Wir versuchen schon im Grundstudium unsere Studierenden zu PraktikerInnen auszubilden, deren berufliches Handeln auf einer breiten Basis von Wissen über die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der einzelnen Handlungsfelder und auf methodischen Kenntnissen und Fertigkeiten beruht. Ganz wesentlich ist aber die Vermittlung einer Grundhaltung, was gleichzeitig zu den schwierigsten und am wenigsten planbaren Aufgaben im Rahmen einer Ausbildung gehört. Hier kann wissenschaftliches Arbeiten einen Beitrag leisten: einen Schritt zurücktreten, Dinge aus einer gewissen Distanz und aus mehreren Perspektiven betrachten, sich an konkreten Beobachtungen und Daten orientieren, unterschiedliche Deutungen und auch Ambivalenzen zulassen, Wertungen und Selbstverständlichkeiten - auch und vor allem die eigenen - in Frage stellen. Die PraktikerInnen in unseren Weiterbildungsangeboten verfügen oft über beachtliches Detailwissen. Neben der Vermittlung aktueller Fachdiskurse sind aber diese wissenschaftlichen Grundhaltungen, gerade wenn die Ausbildung schon länger zurück liegt und damals noch weniger wissenschaftsorientiert war, eine wertvolle Ressource für die Praxis.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Ausbildung in der Sozialarbeit und Sozialpädagogik?

Ich würde mir natürlich mehr Ressourcen wünschen, die man sich für den eigenen Tätigkeitsbereich immer wünscht. Die sind aber auch durch die gesamtgesellschaftliche Nachfrage nach gut ausgebildeten PraktikerInnen der Sozialen Arbeit gut begründbar. Speziell für mein Fach wissenschaftliches Arbeiten wünsche ich mir, dass es uns künftig noch besser gelingt, den Studierenden aber auch den langjährigen PraktikerInnen und den politischen EntscheidungsträgerInnen die Notwendigkeit und das Potential von sozialarbeitswissenschaftlicher Forschung auch und gerade für eine gelingende Praxis zu vermitteln.

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