Der Einfluss der Proteine auf die Körperzusammensetzung – Welche Empfehlungen können für Bodybuilding und „Leans Sports“ angewendet werden?

Bachelor Studiengang Diätologie

Marion Essletzbichler, BSc (Jg. 2011/2014)

Betreuerin: FH-Prof. Mag. Dr. Gabriele Leitner

  • Präsentation der Bachelorarbeit im Rahmen des 32. Ernährungskongresses des Verbandes der Diätologen Österreichs, Wien, 19.-20.3.2015

Abstract

Einleitung:

Das Schlagwort „Sarcobesity“, das ein unausgewogenes Verhältnis von Fett- und Muskelmasse beschreibt, fördert maßgeblich die Entstehung von Zivilisationskrankheiten und trägt in hohem Maße zur Kostenexplosion im Gesundheitssystem bei (Parr et al., 2012). Bisherige Gewichtsreduktionsprogramme, die eine Energierestriktion als Werkzeug verwenden und den Indikator in einem reduzierten Körpergewicht bzw. BMI sehen, führen zumeist vorübergehend zum erwarteten Gewichtsverlust, verschlimmern allerdings den Zustand der erniedrigten Muskelmasse und des erhöhten Fettanteils. Eine Reduktion des Grundumsatzes und eine Rückkehr zum Ausgangsgewicht ist die Folge (Bosse & Dixon, 2012). Nicht nur übergewichtige oder adipöse, sondern auch SportlerInnen in ästhetischen Sportarten und Gewichtsklassen wenden mehr oder weniger extreme Methoden zur Gewichtsreduktion an, die sich negativ auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Stoffwechsel auswirken.

Nährstoffempfehlungen und Gewichtsmanagement im Bodybuilding, ästhetischen Sportarten und Sportarten in Gewichtsklassen sind umstritten und wissenschaftlich wenig untersucht. Leitlinien für diese Thematik gibt es aufgrund der komplexen Faktoren in der Energie- und Nährstoffberechnung nur ungenau. Insbesondere die Empfehlungen hinsichtlich einer optimalen Proteinmenge im Zusammenhang mit einer Körperfettreduktion, Erhalt der Muskelmasse und Wettkampfleistung ist in der Literatur unterschiedlich beschrieben.

Zielsetzung:

Das Ziel der empirischen Arbeit war es herauszufinden, ob der Proteinanteil der Ernährung einen Einfluss auf die Körperzusammensetzung hat und ob daraus mögliche Empfehlungen abgeleitet werden können.

Methodik:

Mit Hilfe eines leitfadenorientierten Experteninterviews (Meuser & Nagel, 1991) wurde eine Bodybuilderin interviewt. Das Hauptaugenmerk wurde neben dem allgemeinen Lebens- und Ernährungsstil auf die genaue Nährstoffzusammensetzung der Wettkampfernährung inklusive der eingenommenen Supplemente gelegt. Erfragt wurden neben den Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Ernährungsplanes im Alltag, individuelle Voraussetzungen, mögliche gesundheitliche Auswirkungen, persönliche Hintergründe sowie der Bedarf an ErnährungsexpertInnen in diesem Bereich. Zum besseren Vergleich wurde eine intersubjektive Gegenüberstellung der Nährstoffzusammensetzung und einhergehenden Veränderung der Muskel- und Fettmasse während einer kalorienreduzierten Standarddiät einer Leistungsschwimmerin dargestellt.

Ergebnisse:

Im Bodybuilding werden 70 % der Körperzusammensetzung und der optischen Erscheinung durch die Ernährung bestimmt. Die Probandin isst alle zwei bis drei Stunden und nimmt demzufolge sechs genau geplante Mahlzeiten pro Tag zu sich. Die Eiweißaufnahme in der während der Wettkampfdiät beträgt 4,8 g / kg KG. Während der 12-wöchigen Diät kann die Probandin den Körperfettanteil von 24,6 % auf 18,4 % senken. Nach Analyse des Ernährungsprotokolles ergibt sich ein täglicher Überschuss von nicht verwertbarem Eiweiß, das nicht für eine weitere Stimulierung einer Muskelproteinsynthese verwendet werden kann von 102 g. Die Schwimmerin kann mit einer täglichen wesentlich geringeren Proteinaufnahme von 1,2 g / kg KG ebenfalls eine Körperfettreduktion erzielen, muss allerdings ein massives Energiedefizit von ~ 1.400 kcal erzielen.

Schlussfolgerungen:

Schlussfolgernd stellt die individuelle, diätologische Beratung und Begleitung im Sport ein herausforderndes und umfangreiches Betätigungsfeld für DiätologInnen dar, in dem es noch viel Pionierarbeit zu leisten gilt.

Literatur:

Bosse JD. & Dixon BM. (2012). Dietary protein in weight management: a review proposing protein spread and change theories. Nutrition and Metabolism, 9, 81. doi: 10.1186/1743-7075-9-81.

Meuser M. & Nagel U. (1991). ExpertInneninterviews - vielfach erprobt, wenig bedacht:

Ein Beitrag zur qualitativen Methodendiskussion. In: Garz & Kraimer, Qualitativ-empirische Sozialforschung: Konzepte, Methoden, Analysen. Opladen: Westdt. Verlag

Parr EB., Coffey VG., Hawley JA. (2013). ‚Sarcobesity‘: a metabolic conundrum.  Maturitas, 74(2), 109-13. doi: 10.1016/j.maturitas.2012.10.014.