Refeeding Syndrom in der klinischen Ernährung - Steigerung der Diagnosehäufigkeit im intramuralen Bereich durch Einsatz eines Screening Tools

Bachelor Studiengang Diätologie

Lisa Wundsam, BSc (Jg. 2011/2014)

Betreuerin: Erika Schrattenholzer-Deubner, MA

  • Präsentation der Bachelorarbeit im Rahmen des 32. Ernährungskongresses des Verbandes der Diätologen Österreichs, Wien, 19.-20.3.2015

Abstract

Einleitung:

Mit dem Begriff Refeeding Syndrom wird das Auftreten von pathologischen Elektrolytverschiebungen, hervorgerufen durch zu raschen oralen, enteralen oder parenteralen Kostaufbau nach einer längeren Phase der Unterernährung, bezeichnet. Bei  frühzeitiger Identifikation von RisikopatientInnen kann eine erfolgreiche Prävention oder Behandlung des Refeeding Syndroms erfolgen. Oftmals wird das Syndrom im intramuralen Bereich jedoch zu spät oder gar nicht diagnostiziert, wodurch Komplikationen im Nahrungsaufbau auftreten und eine adäquate Behandlung verhindert oder erschwert wird.

Zielsetzung:

Im hermeneutischen Teil der Arbeit wird die Frage, ob durch den Einsatz eines Screening Tools die Diagnosehäufigkeit im intramuralen Bereich gesteigert werden kann, bearbeitet. Mittels Literaturrecherche wird der aktuelle Wissensstand in Bezug auf die Entstehung, Diagnose, Klinik und Behandlung des Refeeding Syndroms, hervorgerufen durch enteralen oder parenteralen Kostaufbau, untersucht. Weiters wird auf die Ernährungstherapie und Prävention des Refeeding Syndroms eingegangen und die Möglichkeiten, durch den Einsatz eines Screening Tools die Diagnosehäufigkeit zu steigern, sowie die Qualitätskriterien eines Screeningwerkzeuges, beleuchtet.

Methodik:

Da kein Screening, speziell auf das Refeeding Syndrom zugeschnitten, existiert, wurde ein solches im Zuge des empirischen Teils der Arbeit nach den NICE guidelines 2006 erstellt.

Um die Praktikabilität und das Potential des erstellten Screening Tools hinsichtlich des Einsatzes im klinischen Alltag zu untersuchen wurden im April 2014 drei leitfadengestützte Expertinneninterviews mit Diätologinnen, die im klinischen Bereich tätig sind, durchgeführt. Die transkribierten Interviews wurden anschließend inhaltlich nach Mayring, 1993, ausgewertet.

Ergebnisse:

Die Auswertung der Interviews ergab, dass im intramuralen Bereich der Bedarf nach einem Werkzeug zur raschen Erhebung des Risikos von PatientInnen, ein Refeeding Syndrom zu entwickeln, besteht. Das Screening Tool nach den NICE guidelines 2006 stellt laut allen befragten Expertinnen eine effiziente und praktikable Möglichkeit zur Erkennung von gefährdeten PatientInnen im klinischen Alltag dar.

Schlussfolgerungen:

Das Screening Tool nach den NICE guidelines 2006 kann, nach weiterer Evaluation und Adaption, ein wichtiges Werkzeug zur Identifikation von RisikopatientInnen darstellen.

Literatur:

Mayring, P. (1993). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim: Deutscher Studien Verlag.

National Institute for Health and Clinical Excellence (2006). Guidelines for Nutrition Support in Adults CH032