Der Zusammenhang von Schlafdauer und Body-Mass-Index bei Zehn- bis 14-Jährigen und seine Bedeutung für die Adipositasprävention

Bachelor Studiengang Diätologie

Mag. Eva-Maria Wendt, BSc (Jg. 2009/2012)

Betreuerin: Mag. Elisabeth Farmer

  • Präsentation der Bachelorarbeit im Rahmen der 28. Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft e.V., Stuttgart (D), 4.-6.10.2012
  • Bachelorarbeit wurde mit dem 3. Platz des Nestlé HealthScience Award 2013 prämiert

Abstract

Einleitung:

Unter den sechs- bis 14-jährigen Österreicherinnen und Österreichern sind etwa ein Fünftel der Burschen und mehr als ein Sechstel der Mädchen übergewichtig oder adipös (Österreichisches Grünes Kreuz für Gesundheit (ÖGK), 2007, S. 7). Eine Kombination von genetischer Determination, sozialen Faktoren und Lebensstilfaktoren trägt zur Entstehung von Übergewicht und Adipositas bei (Warschburger & Petermann, 2008, S. 11ff). Neuere Studien deuten darauf hin, dass auch eine zu kurze Schlafdauer ein Risikofaktor für die Entstehung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen ist. Schlafmangel verringert nicht nur die Bereitschaft für körperliche Aktivität, sondern erhöht auch durch hormonelle Mechanismen die Energiezufuhr (Patel & Hu, 2008).

Zielsetzung:

Die Bachelorarbeit hatte das Ziel zu untersuchen, ob, bei Zehn- bis 14-Jährigen ein Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Body-Mass-Index besteht.

Methodik:

In einer quantitativen, nicht invasiven Querschnittsstudie (n = 301) wurde untersucht, ob bei Zehn- bis 14-Jährigen in Österreich ein Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Body-Mass-Index (BMI) besteht und welche Faktoren dabei zusätzlich eine Rolle spielen könnten. In einem Fragebogen wurden anthropometrische und soziodemografische Daten sowie Schlafgewohnheiten erhoben.

Ergebnisse:

Es fand sich eine signifikante Korrelation zwischen Schlafdauer und Body-Mass-Index. Weiters korrelierte der BMI signifikant mit dem Geburtsland, dem Nickerchen am Nachmittag und der Zeit des Schlafengehens am Abend. Im Vergleich von weiblichen und männlichen Teilnehmer(inne)n stellte sich heraus, dass Buben bei zu kurzer Schlafdauer ein signifikant erhöhtes Risiko für Übergewicht bzw. Adipositas haben im Gegensatz zu jenen, die ausreichend schlafen (OR 6,1; p = 0,033), unabhängig von Geburtsland und Schultyp. Für Mädchen ergab sich diese Korrelation nicht. Die Stichprobe war klein und zudem nicht repräsentativ, daher sind weiterführende Untersuchungen an einer größeren Gruppe erforderlich, um die gewonnenen Erkenntnisse zu festigen und zu erweitern.

Schlussfolgerungen:

Einheitliche Vorgaben für die Schlafdauer von Kindern und Jugendlichen existieren nicht. Eine Empfehlung für eine ausreichende Nachtruhe kann kein Therapieansatz für Adipositas sein, wohl aber eine kostengünstige Maßnahme in der Prävention. Integriert in bestehende Präventionsprogramme kann sie dazu beitragen, die Entstehung von Übergewicht und Adipositas zu verringern. Aufgrund der Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung wäre es denkbar, den Fokus auf Buben und männliche Jugendliche zu legen.

Literatur:

Österreichisches Grünes Kreuz für Gesundheit (ÖGK) (2007). Studienbericht: Österreichweite Feldstudie zur Erhebung der Prävalenz von Übergewicht bei 6- bis 14-jährigen Schülerinnen und Schülern. Wien. Zugriff unter http://www.gruenes-kreuz.org/oegk/index.php/Kinder_sind_zu_dick.html am 2. September 2011.

Patel, S. R. & Hu, F. B. (2008). Short Sleep Duration and Weight Gain: A Systematic Review. Obesity, 16 (3), 643-653. doi: 10.1038/oby.2007.118

Warschburger, P. & Petermann, F. (2008). Adipositas. Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie, Band 10. Göttingen: Hogrefe.