Hat ein physiotherapeutisch abgestimmtes Übungsprogramm einen positiven Effekt auf das Reizdarmsyndrom?

Bachelor Studiengang Physiotherapie

Astrid-Sarah Mangi, BSc & Stefanie Weber, BSc (Jg. 2012/2015)

Betreuerin: Anita Kiselka, MSc

  • Präsentation der Bachelorarbeit im Rahmen der 6. Gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation e. V. und der Deutschen Gesellschaft für Neurotraumatologie und Klinische Neurorehabilitation e. V., Bad Godesberg (Bonn), 1.-3.12.2016
  • Präsentation der Bachelorarbeit im Rahmen des ECIM 2015 (14th European Congress of Internal Medicine), Moskau, 14.-16.10.2015

Abstract

Einleitung:

Das Reizdarmsyndrom (IBS) ist eine inner-organische Erkrankung des Magen-Darm-Trakts. Betroffene Menschen können unter unterschiedlichen Verdauungsbeschwerden leiden. Die Palette reicht von Blähungen über abdominelle Schmerzen, Durchfälle, sowie Verstopfung als auch extraintestinale Beschwerden, eingeteilt in Subtyp A, Typ B oder Typ C. Die PatientInnen haben in der Regel eine lange Krankengeschichte und sind durch eine Vielzahl von medizinischen Prüfungen gegangen, sie bevor bei dieser Diagnose ankommen. In der therapeutischen Praxis werden verschiedene Maßnahmen ergriffen. Unter anderem wird in den DGVS-Richtlinien (Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten) körperliche Aktivität empfohlen. Jedoch mangelt es an konkreten Empfehlungen in Bezug auf Art, Intensität und Dauer.

Zielsetzung:

In dieser Arbeit wurde basierend auf den Erkenntnissen existierender Literatur ein physiotherapeutisches Übungsprogramm zusammengestellt und untersucht, ob dieses einen neuen Therapieansatz für PatientInnen bietet. Daraus ergibt sich die Fragestellung dieser Arbeit: " Hat ein physiotherapeutisch abgestimmtes Übungsprogramm einen positiven Effekt auf das Reizdarmsyndrom?"

Methodik:

Es wurde eine Pilotstudie mit einer Interventionsgruppe bestehend aus drei PatientInnen (2 weiblich, 1 männlich) mit folgenden Maßnahmen durchgeführt:

  • Regelmäßige körperliche Aktivität mittels 20 min zweimal pro Woche Ergometertraining;
  • Kräftigende Übungen für anatomisch eingeschlossene und funktionell einflussreiche Strukturen (M. iliopsoas, M. transversus abdominis, Rumpfmuskulatur),
  • Aktivierung des Beckenbodens;
  • Regulation des Muskeltonus: Entspannung und Dehnung von M. quadratus lumborum und M. iliopsoas in Kombination mit Atemtechniken.

Die Intervention erfolgte als Einzeltherapie einmal pro Woche für eine Dauer von 45 min. über einen fünf-wöchigen-Zeitraum. Die Wirkung auf den Schweregrad der Erkrankung wurde mittels dem Assessment IBS-SSS evaluiert, zusätzlich wurde täglich die Bristol-Stool-Form-Skala ausgefüllt.

Ergebnisse:

Zwei PatientInnen schlossen die Studie ab. Die IBS-SSS zeigte eine klinisch relevante Verbesserung von einer schweren (345 Punkte, 280 Punkte) zu einer mittelschweren (120 Punkte) beziehungsweise einer leichten (100 Punkte) Ausprägung. Aufgrund der begrenzten ProbandInnenanzahl gab es keine signifikante Korrelation zwischen dem physiotherapeutischen Trainingsprogramm und der Verbesserung der IBS-SSS (p-Wert von 0,147). Der Verlauf der Bristol-Stool-Form-Skala wurde deskriptiv beschrieben. Im Laufe von 5 Wochen zeigten beide PatientInnen eine Tendenz zu normalen Werten.

Schlussfolgerung:

Ein individuelles, physiotherapeutisch abgestimmtes Übungsprogramm hat einen positiven Effekt auf IBS. Da die IBS-SSS-Werte beider PatientInnen stark verringert werden konnten, kann in Übereinstimmung mit der Literatur (Betz et al., 2013) gefolgert werden, dass es zu einer klinisch relevanten Verbesserung der Symptome kam. Dies ermöglicht neue Behandlungsansätze für ReizdarmpatientInnen, könnte für Kostenträger eine finanzielle Erleichterung bedeuten und für den Berufsstand der PhysiotherapeutInnen ein neues dankbares Arbeitsfeld eröffnen. Weitere Studien sind zu empfehlen.

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