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Ein Erlebnis das zur Normalität wird

FH-Dozent Max Eiselsberg im Interview über die Lehre mittels digitaler Formate

Corona und die damit einhergehende Umstellung des Unterrichts an der FH St. Pölten auf Fernlehre hat alle Beteiligten vor neue Herausforderungen gestellt. Max Eiselsberg, FH-Dozent in den Studiengängen Digital Marketing & Kommunikation (MA), Digital Media Management (MA), Marketing & Kommunikation (BA) und Medienmanagement (BA) gibt Einblick in die neue Normalität und resümiert:

Herr Eiselsberg, Sie waren einer der ersten, die Anfang März die gesamte Lehre auf digitale Formate umgestellt haben. Was waren die größten Herausforderungen?

Zu Beginn gab es sicherlich bei mir – so wie bei jedem von uns – eine gewisse Unsicherheit. Ich habe gerne im Hörsaal unterrichtet, die Interaktionen und Reaktionen (z. B. die Aufmerksamkeit und Spannung in den Gesichtern der Studierenden) zu spüren waren mir wichtig. Ich habe schnell erkannt, dass ich jetzt handeln muss: 

Es war für mich ein Projekt:

  • Schritt für Schritt die Idee der Digitalisierung der Lehre zu entwickeln
  • Das Tool zu bestimmen und auszuprobieren
  • Die Einsatzmöglichkeiten von MS Teams auszuloten

Das waren die größten Herausforderungen. Aber zugegeben: Es war am Anfang ungewohnt, eine radikale Umstellung im Vortragsverhalten war nötig.

Welche Unterschiede sehen Sie bei Ihren Lehrveranstaltungen zwischen den Präsenz- und den Online-Terminen?

Bei den Online-Terminen gibt es weniger Interaktion mit und zwischen den Studierenden. Leider. Zusätzlich habe ich folgendes erkannt:

  • Die Lehrinhalte müssen in kürzeren Lernschritten erfolgen
  • Stärkere inhaltliche Präzision und formale Brillanz sind ein Gebot der Stunde!
  • Zusätzliche Pausen sind notwendig, da digitales Lernen anstrengender ist
  • Eine Abwechslung zwischen Online-Frontalunterricht und "To Dos" für Studierenden ist wichtig

Was funktioniert digital besser? Was funktioniert schlechter?

Ich konnte sofort Gastreferent*innen zu uns in die Lehrveranstaltung einladen. Das war trotz Krise möglich, weil Gastreferent*innen aus ihrem Office ihre Inhalte kommunizieren konnten und nicht nach St. Pölten reisen mussten.

Auch die Möglichkeit, dass mehrere Jahrgänge bei einer Gastreferent*in zuhören, ist sehr unkompliziert möglich. Bei Thomas Saliger, Marketingchef von XXXLutz hatten wir über 100 Teilnehmer*innen, was mich sehr freute. Ich habe bemerkt, dass die Teilnahme an meinen Lehrveranstaltungen konstant hoch ist. Jede*r kann die anderen hören, das ist im Hörsaal nicht immer möglich. Die Interaktion leidet, aber ich glaube, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis man sich daran als neue Normalität gewöhnt hat.

Welche Tipps würden Sie Kolleg*innen bei der Umstellung von Präsenz- auf Digital-Konzepte geben?

Die Scheu vor dem Neuen zu verlieren. Eine „Experimentierfreude“ zu entwickeln, ist meine Devise. Der tägliche Einsatz bringt Routine und damit Sicherheit. Vielleicht noch eines: Wichtig ist, die Regeln für den Online-Unterricht bei der ersten Online-Lehrveranstaltung genau zu definieren.

Online-Lehrveranstaltungen bereiten die Studierenden auch besser auf die berufliche Zukunft vor, weil Videokonferenzen zum täglichen Alltag internationaler Firmen werden. Diese Verantwortung müssen wir bewusst übernehmen! Außerdem können digitale Unterrichtskonzepte umweltschädliche Mobilität reduzieren.

Werden Sie weiterhin digitale Bestandteile auch nach Beendigung der Corona-Krise in Ihren Lehrveranstaltungs-Konzepten berücksichtigen?

Ja, auf jedem Fall. Den richtigen Mix zwischen Präsenz und Online zu finden wird die Kunst sein. Beides ist ein „Must“ –  seit Corona!