Kann man dem Phantom(schmerz) den Spiegel vorhalten? Wirkung von Spiegeltherapien bei Phantomschmerzen nach Amputationen

Bachelor-Studiengang Physiotherapie

Kerschbaum Jasmin 

Betreuer: FH-Prof. Priv.-Doz. Dr. Brian Horsak

Abstract

Einleitung

In Deutschland werden jährlich circa 70000 Amputationen vollzogen, wovon nahezu 90 Prozent an der unteren Extremität durchgeführt werden (Diemer et al., 2017, S. 98). Nach einer Amputation besteht das Risiko, dass folglich Phantomempfindungen oder Schmerzen am Stumpf entstehen. Eine weitere Folge stellt der Phantomschmerz dar, welcher bei 60 bis 70 Prozent der Patient*innen nach Amputationen auftritt (Steffen, 2006).

Zur Behandlung von Phantomschmerzen stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, wie beispielsweise die medikamentöse Therapie oder nicht-invasive Methoden wie die Spiegeltherapie (Kaur & Guan, 2018). In dieser Arbeit soll die aktuelle Evidenz über die Wirkung von Spiegeltherapie bei Phantomschmerzen nach Amputation an der unteren Extremität bei Erwachsenen über dem 18. Lebensjahr analysiert sowie Vor- und Nachteile der Behandlung dargestellt werden.

Methodik

Die Literaturrecherche wurde am 25. und 26.11.2021 in den Datenbanken PubMed und CINHAL und per Hand durchgeführt. Nach Ausschluss von Duplikaten und Falschergebnissen wurden anhand der vorab definierten Ein- und Ausschlusskriterien selektiert.

Zur Bewertung der methodischen Studienqualität wurde die PEDro-Skala verwendet. Anschließend wurden die studien- proband*innen- und maßnahmenspezifischen Aspekte sowie die Interventionswirkung auf Phantomschmerzen anhand der Visuellen Analogskala oder der Numerische Rangskala analysiert.

Ergebnisse

Von 89 Suchergebnissen konnten 6 relevante Studien mit guter bis sehr guter methodischer Qualität identifiziert werden. Sie schließen eine Gesamtpopulation von 297 Probanden und 103 Probandinnen ein.

Alle inkludierten Studien zeigen eine positive Wirkung der Spiegeltherapie, vor allem, wenn diese als Kombinationstherapie angewandt wird. Gegenüber den Kontrollinterventionen konnte der Spiegeltherapie großteils keine bessere Wirkung nachgewiesen werden.

Schlussfolgerung

Basierend auf den Ergebnissen unter Berücksichtigung der methodischen Studienqualität und den Limitationen kann gesagt werden, dass die Spiegeltherapie zu einer Reduktion der Phantomschmerzen führt. In Kombination mit weiteren Behandlungsmethoden können bessere Ergebnisse erzielt werden. Weitere Studien mit Fokus auf weibliche Proband*innen und geschlechterspezifischer Wirkung, Qualität der Phantomschmerzen und Langzeiteffekte sollten durchgeführt werden.

Keywords

Phantomschmerz, Amputation, Spiegeltherapie