Arlt Lecture: Gesundheitsberufe im Wandel

Professor Günter Flemmich bei der Open Lecture des Ilse Arlt Instituts für Soziale inklusionsforschung

Bei einer Open Lecture des Ilse Arlt Instituts präsentierten Günter Flemmich, Angelika Hais und Tom Schmid ihr Buch „Gesundheitsberufe im Wandel.“

„Konkurrenz funktioniert heute nur mehr über den Preis“, umschrieb Günter Flemmich die aktuelle Situation, in der Menschen in Gesundheitsberufen arbeiten. Viele Teile des Gesundheitswesens verändern sich durch den gesellschaftlichen Wandel und die Ökonomisierung der Arbeit mit kranken Menschen. Der Personalmangel führt zur Neuorientierung und -ausrichtung von Gesundheitsfachberufen. Ziel des Buches ist, den LeserInnen einen Überblick über die wesentlichen Einflussbereiche zu geben, die die Entwicklung des Gesundheitssystems gegenwärtig prägen.

„Konzerne warten darauf, in Österreich aktiv zu werden“

Tom Schmid ist ein Mann, der die Dinge immer ein wenig früher sieht, als andere Menschen“, so Monika Vyslouzil, Dozentin am Department Soziales und Leiterin des Kollegiums der Fachhochschule St. Pölten in ihrer Laudatio. Das sei nicht immer einfach, so Schmid. Aktuelle Änderungsvorschläge der Bundesregierung im Bereich der Sozialversicherung seien für ihn nicht überraschend. Schmid: „Ein wesentliches Problem liegt in den strukturellen Veränderungen im Gesundheitsbereich. Internationale Konzerne warten seit vielen Jahren, in den österreichischen Markt einzutreten. Das Gesundheitswesen ist längst in der Wirtschaft angekommen und ist ein Wirtschaftsfaktor. Einer, den wir dringend brauchen und den wir schleunigst zukunftsfit machen wollen. Eine Möglichkeit wäre durch ein Volksbegehren gegen die Privatisierung des Gesundheitssystems.“

FH-Professor Tom Schmid

„Stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit“

Christoph Redelsteiner, selbst Sozialarbeiter und Notfallsanitäter, sprach Probleme in der Aufgabenteilung zwischen den einzelnen Berufsgruppen an. „Ich plädiere für eine stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit der Gesundheitsfachberufe, insbesondere auch im Bereich der Primärversorgung. Hier können SozialarbeiterInnen ihre Expertise als vernetzender Gesundheitsfachberuf einbringen“, so Redelsteiner, der den Master Studiengang Soziale Arbeit der FH St. Pölten leitet. „Ein Ziel muss die Anerkennung von SozialarbeiterInnen als Gesundheitsfachberuf sein. Weiters brauchen wir die Etablierung einer Berufsform der Rettungspflegerin in Österreich sein, also eine integrierte Sanitäter- und Krankenpflegeausbildung.“ Redelsteiner war maßgeblich an der Konzeption des Bachelor Studiengangs Gesundheits- und Krankenpflege an der FH St. Pölten beteiligt, der eine Ausbildung im Bereich der Pflege mit einem zur Notfallsanitäterin kombiniert.

Menschlichkeit als Qualitätsfaktor

„Gesundheit darf auch in Zukunft kein Geschäft sein, sondern soll den Menschen dienen“, so Flemmich. Qualitätssicherung wird zunehmend als wirtschaftliche Vermessung der Arbeit mit kranken Menschen verstanden und nicht in einem ganzheitlichem Sinne als Sicherung der fachlichen, menschlichen Qualität unter Bedachtnahme auf Wirtschaftlichkeit. Hier brauchen wir eine Trendumkehr, um genügend Menschen für einen menschlichen Arbeitsplatz mit kranken Menschen zu gewinnen.

Internationale Beispiele zeigten, dass es auch anders ginge, ergänzte Schmid und verwies dabei auf Finnland: „Nur so können wir die Attraktivität von Gesundheitsberufen erhöhen und eine angemessene Versorgung der Bevölkerung sicherstellen.“

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